Am Erker 73

 

Norbert Stöbe
Norbert Stöbe, Foto: privat
Norbert Stöbe.
Foto: privat

Norbert Stöbe: Kolonie

Norbert Stöbe: Morgenröte

Norbert Stöbe: Namenlos

Norbert Stöbe: New York ist himmlisch

Norbert Stöbe: New York ist himmlisch

 

Norbert Stöbe: Spielzeit

Norbert Stöbe: Der Weg nach unten

Norbert Stöbe: Der Weg nach unten

 

Norbert Stöbe: Der Durst der Stadt

 

 

Philip K. Dick: The Man in the High Castle
Philip K. Dick: The Man in the High Castle (neu übersetzt von Norbert Stöbe 2000: Das Orakel vom Berge). Die amerikanische Erstausgabe erschien 1962
 
Ken Grimwood: Replay
Ken Grimwood: Replay (neu übersetzt von Norbert Stöbe 2004: Replay - das zweite Spiel). Die amerikanische Erstausgabe erschien 1986 und war eine Vorlage für den Film Und täglich grüßt das Murmeltier

 

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Norbert Stöbe

 
Norbert Stöbe

Im Gespräch mit Marcus Jensen

Am Erker Nr. 73, Münster, Juli 2017

"Wir werden uns schon irgendwie durchwursteln"

Stöbe, geboren 1953 in Troisdorf bei Bonn, studierte zunächst Ethnologie und Soziologie in Bonn, machte eine Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten in Reutlingen und schloss 1988 ein Chemiestudium an der RWTH Aachen ab. Seit 1982 schreibt er Prosa. Er arbeitete am Institut für Textilchemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen, nebenher begann er mit seiner Übersetzertätigkeit. Stöbe übertrug unter anderem Werke von Philip George Chadwick, Philip K. Dick, Alan Dean Foster, Ken Grimwood, Tanith Lee, Ken MacLeod, Alastair Reynolds, James Rollins, Bruce Sterling, Michael Swanwick und Patrick Woodrow ins Deutsche. Für seinen Roman New York ist himmlisch erhielt er 1985 den C. Bertelsmann Förderpreis und 1988 den Kurd-Lasswitz-Preis. Für "10 Punkte" erhielt er 1992 den Preis des Science Fiction Clubs Deutschland in der Kategorie Kurzgeschichte, für "Der Durst der Stadt" 1995 den Kurd-Lasswitz-Preis in der Kategorie Beste Erzählung. Er lebt als Autor und Übersetzer in Stolberg.

 

Am Erker: In deinen ersten Romanen spielen Simulationen eine große Rolle, aber keine Roboter – jetzt im neuesten dagegen haben die Bots eine eigene Stadt. Der heimliche Held in Kolonie ist ein sympathischer, unsterblicher Sechsbeiner. Als er von Menschen zerschossen wird, ersetzen ihn die anderen Bots im Sinne eines Kollektivbewusstseins. Das Verrückte ist, dass dieser Metabot höchstselbst bei allen die "Robotergesetze reaktiviert", getreu Isaac Asimov. Also, ein Anspruch auf Weltherrschaft sieht anders aus. Die Autonomie der Maschinen scheint für dich keine Schreckensvision zu sein. Können wir gut nebeneinander leben?

Norbert Stöbe: Die Verselbstständigung der Roboter beziehungsweise der KI ist zweifellos eine Zukunftsoption. Aber ich glaube, dass auch der Mensch sich auf lange Sicht weiterentwickeln wird. Im Übrigen bin ich fasziniert von Bots.  Das gilt sogar für die martialischen Konstruktionen von Boston Dynamics.

Am Erker: Wirklich? Diese Videos von der "Next Generation" der Droiden im Hindernisparcours fand ich letztes Jahr absolut gruselig. Jetzt geht's los, dachte ich, jetzt wird der Robot-Horror vorstellbar.

Norbert Stöbe: Man muss sie ja nicht gleich adoptieren. Und was meinst du mit Robot-Horror? Den militärischen Einsatz von Robotern? Stell dir die Maschinen bei der Alten- oder Katastrophenhilfe vor, das ergibt schon ein ganz anderes Bild. Ich persönlich hätte gern einen Haushaltshelfer, der eine sinnvolle Unterhaltung führt und den man auch mal einkaufen schicken kann. Okay, das ist naiv. Ebenso naiv ist es aber, zu glauben, man könnte den Trend zum Roboter durch Verbote aufhalten, wie neulich in der ZEIT zu lesen stand. Das ist wie mit der Gentechnik. Macht es der Eine nicht, macht es der Andere, garantiert. Besser ist es, an der Entwicklung teilzuhaben und sie mitzuprägen.

Am Erker: Du fürchtest kein Überranntwerden? Im Schach und im Go ging der Sieg ja längst an den Rechner. In deinem Roman wunderte es mich, dass die Maschinen noch so nett nach Blut gefragt haben, um den Menschen zu studieren.

Norbert Stöbe: Weil sie nicht richtig funktionieren. In Kolonie kommt es zur Verselbstständigung der Bots durch einen Softwaredefekt. Sie entwickeln eine Pseudoreligion, erwarten die Ankunft ihrer Schöpfer und errichten die Stadt. Das ist Autonomie ohne Richtung und Ziel, Freiheit ohne Maß, ein Irrweg. Die Bots sind vielleicht 'verrückt', aber nicht böse. Dass sie sich am Ende freiwillig den guten alten Robotergesetzen unterwerfen, könnte der Beginn einer Art Ko-Evolution sein. Manche Leute befürchten, der Mensch könnte sich durch seine Schöpfungen selber abschaffen. Das glaube ich nicht – aber er wird sich verändern. Dass Googles DeepMind einen Dan-Meister im Go besiegt hat, ist schon ein Hammer. Bis vor kurzem galten die Computer bei dem Spiel noch als chancenlos. Ich habe die Partien teilweise mitverfolgt – sehr spannend. Angst macht mir das aber nicht. Ich finde, es liegt eine komplexe Schönheit darin, dass Maschinen menschliches Denken übertreffen können. Viele Zeitgenossen fanden die Vorstellung demütigend, dass die Erde nicht das Zentrum des Kosmos oder der Mensch mit dem Affen verwandt ist. Aber es ist nicht schlimm zu wissen, dass wir nicht alles am besten können, ganz im Gegenteil. Ein bisschen Demut steht uns gut an.

Am Erker: In Kolonie geht es auch unter anderem um eine Idee, von der ich bei dir zum ersten Mal gelesen habe: ein evolutionärer Betriebsunfall. Die zweite Kolonisten-Generation reist dreißig Jahre später der ersten hinterher, hundert Jahre im Tiefschlaf, um das verlorene Geheimnis ihres "Quantengenerators" zurückzuholen. Der wird auf der Erde dringend gebraucht, aber man weiß nicht mehr, wie er konstruiert war. Erstens haben "Dschihadisten" gleich nach dem Abflug der ersten Generation die Forschungseinrichtung erobert, und zweitens sind alle Backups durch den "Metaxwurm" gelöscht worden. Der unersetzliche Generator soll geklaut werden und in einem separaten Mini-Raumschiff wieder hundert Jahre durchs All zur Erde zurückfliegen – unbegleitet. Ein Alptraum.

Norbert Stöbe: So ist es. Entstanden ist die Idee aus der handlungsbedingten Notwendigkeit einer Dramatisierung. Aber abwegig ist das nicht. Dinge können verloren gehen, auch Wissen, wie beim Untergang der Bibliothek von Alexandria mit ihren mehreren hunderttausend Schriftrollen. In Kolonie trifft es eine neue, geheime Technologie zur Energiegewinnung. Da greift man in der Not eben auf den Prototypen zurück, auch wenn sich der in einigen Lichtjahren Entfernung befindet. Man kann natürlich die Frage stellen, ob sich das verloren gegangene Knowhow in der langen Zeit, die der Rücktransport bräuchte, nicht wiederherstellen ließe. Aber möglicherweise ist die Lage auf der Erde für anspruchsvolle Forschung zu instabil.

Am Erker: Apropos Rückschritte: In einem der SF-Romane, die du übersetzt hast, von Ken McLeod, fliegen die Menschenraumschiffe mit uralten mechanischen Rechnern an Bord, gigantischen ratternden "Babbage-Maschinen", die bewusst eingesetzt werden, um keine elektronische Manipulation durch böse Aliens zu ermöglichen. Eine völlig irre Idee, die der Autor gnadenlos durchzieht ... Was hat dich eigentlich an dem Thema der Besiedlung erdähnlicher Planeten so fasziniert? Immerhin handeln deine beiden letzten Romane davon?

Norbert Stöbe: In Morgenröte ist die Idee der Kolonisierung logische Folge der Prämisse. Ich wollte eine Geschichte über eine Hitzekatastrophe erzählen – keinen Ökoroman zum Thema Erderwärmung, sondern die Geschichte einer unabwendbaren Naturkatastrophe, hier ausgelöst durch eine Veränderung der Strahlungsintensität unserer Sonne. Und es musste irgendeinen Ausweg geben. Den bietet das Raumschiff, das zu dem erdähnlichen Planeten aufbricht. Aber die Frage wundert mich ein wenig. Immerhin wimmelt es in der SF-Literatur von Kolonien und interstellarem Raumschiffverkehr. Man könnte vielleicht sogar sagen, die Besiedlung fremder Planeten ist das Königsthema der SF.

Am Erker: Stanislaw Lem ließ quasi nur die Expedition als hochwertige SF gelten.

Norbert Stöbe: Und hat mit Solaris eines der für mich wichtigsten Bücher zu dem Thema geschrieben. Aber die Sache ist nicht einfach. Neben dem Auffinden eines geeigneten Ziels ist die Überwindung der Entfernung das größte Problem. Das wird häufig umgangen, indem man sich Wurmlöcher, Dimensionsschleusen oder Hyperantriebe ausdenkt. Daran glaube ich nicht. Trotzdem bin ich überzeugt, dass, wenn die Menschheit nur lange genug durchhält, irgendwann Raumschiffe fremde Sternsysteme erreichen werden, mit oder ohne menschlichem Bewusstsein an Bord. Erst kürzlich hat Stephen Hawking vorgeschlagen, mit Lichtsegeln ausgestattete Miniraumschiffe mit Lasern auf interstellare Geschwindigkeit zu beschleunigen. Ich habe das Thema Kolonisierung mit zwei verschiedenen Ansätzen durchgespielt. Speziell in Kolonie habe ich mich um eine 'realistische' Darstellung bemüht -  einerseits der Reiz der Begegnung mit dem Fremden, andererseits die damit einhergehenden Schwierigkeiten und das drohende Scheitern.

Am Erker: Ja, die Motive sind gar nicht verwandt. In Morgenröte ist es die heiße Apokalypse, das Chaos, die Flucht, die Startplatz-Lotterie, um die Bevölkerung zu beruhigen. Eine Walking-Dead-Atmosphäre. Dieses Leben unter fünfzig Grad ist großartig beschrieben. Und viele, die in der Lotterie gewinnen, bringen sich aus bestimmten Gründen lieber um. Über die "Schweinekoben", in denen die tierhaften Gastkörper vegetieren, hätte ich gerne mehr gelesen. Dagegen herrscht in Kolonie eine uns noch sehr vertraute, zivile Welt vor, hier starten unbelastete UNO-Missionen. Aber du hast bisher bei jedem Roman die Grundthemen gewechselt.

Norbert Stöbe: Das sehe ich nicht so. Ich sehe meine Romane als Versuchsanordnungen. Es geht darum, sich in schwieriger, manchmal aussichtloser Lage zu bewähren. Wie verhalten wir uns, wenn es eng wird? Das Grundthema bleibt gleich, die Ausgestaltung variiert.

Am Erker: Gut, ich meinte eher die Settings. Versuchsanordnungen sind es auf jeden Fall. Und die haben meist etwas Fatalistisches. Auffällig verbindend finde ich, dass alle deine Helden in ihre Welten reingeworfen werden, oft in böse Spiele, über die sie keine Kontrolle haben. Gekidnapt, gestrandet, plötzlich geflohen und wieder zurückgeflohen, unter Drogen gesetzt träumend, von der Apokalypse überrollt – sie wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Aber laut nach dem Warum fragen sie nicht. Und wenn sie sich dagegen wehren, dann nicht sehr heftig, sie laufen höchstens weg. Bist du der Laborleiter deiner Figuren, oder leidest du mit ihnen? Weißt du vorher, wie das Buch enden wird?

Norbert Stöbe: Fatalistisch, würde ich nicht sagen. Okay, für glänzende Zukunftsentwürfe fühle ich mich nicht zuständig, und für meine Figuren kommt es manchmal dicke. Aber sie geben niemals auf. Sie krabbeln und mühen sich, so zu sagen per aspera ad astra – auch wenn die Sterne am Ende vielleicht ein wenig zu hoch hängen oder nur ein bisschen funkeln. Schreiben ist für mich wie Träumen. Bei den Romanen gehe ich von winzigen Schnipseln aus, meistens einem Bild oder einer Szene. Bei Morgenröte war es der Typ im Keller, der durch ein Periskop die Straße beobachtet. Warum tut er das? Weil es draußen zu heiß ist. Weshalb ist es zu heiß? Wegen der 'Singularität' – der aus dem Takt geratenen Sonne. Die Geschichte entwickelt sich allmählich, bringt Figuren hervor, eine kleine Welt. Irgendwann bildet sich die vage Vorstellung eines möglichen Ganzen heraus. Ich muss die Geschichte als Film erleben, sonst funktioniert es nicht. Wenn alle Aspekte bekannt sind, sich das Ende abzeichnet und die Fäden zusammenlaufen, wird es für mich langweilig. Dann ist harte Arbeit angesagt.

Am Erker: Bei New York ist himmlisch hatte ich den Eindruck, dass du dich als Autor genauso in den Stoff reinwirfst wie der Held, ohne Netz. Dieser Ralfd – wie kamst du auf den merkwürdigen Namen? – ist das Faktotum des "Sheriff" von New York und bricht aus diesem verlogenen Leben aus ins Zentrum. Manhattan steht nach einem Chemie-Experiment unter Quarantäne. In der kaputten, anarchistischen City findet Ralfd zurück zu seiner Vergangenheit und wartet fast genüsslich ab, wie der Sheriff da draußen erledigt wird. Nebenbei: Die kleinen "Tandaradeis", die die Leute mit sich tragen, ähneln verblüffend Smartphones, nur eben anno 1988.

Norbert Stöbe: Ja, da habe ich die Ich-Perspektive für mich entdeckt. Das war eine spannende Erfahrung, die mich mit großem Drive durch die Geschichte geführt hat. Und ich habe gemerkt, dass es befreiend sein kann, ein bisschen boshaft zu sein. Ich ziehe nicht gerne Parallelen zu meiner Biografie, aber so viel sei gesagt: Es steckt eine Abrechnung mit dem ungeliebten Chemie-Studium in dem Roman. Und der seltsame Name Ralfd: Ich glaube, das 'd' steht für den ersten Buchstaben seines Nachnamens.

Am Erker: Dein Debüt Spielzeit von 1986 ist wohl der klassischste deiner SF-Romane. Aliens – die ziemlich witzigen krokodilartigen Erksel – entführen verschiedene Spezies aus verschiedenen Sternensystemen, um sie wie Kampfhähne gegeneinander antreten zu lassen. Aus Spaß. Die hochintelligenten Reptilien wetten auf den Verlauf der tödlichen Kämpfe. Der Mensch wird einfach vom Bord seines Bootes entführt, während er mit seiner Freundin redet, mitten im Satz wird er in die Arena gebeamt. Reinhold gewinnt deshalb das Hauen und Stechen in der Petrischale, weil er sich bis zum Schluss solidarisch verhält und mit dem telepathischen Ballonwesen Xirtsch zusammenarbeitet. Es ist das einzige Buch von dir mit einer Botschaft: Nur gemeinsam überleben wir's.

Norbert Stöbe: Das liegt wohl daran, dass ich unter Einfluss stand. Ich hatte eine Story gelesen, den Autor habe ich leider vergessen. Es ging um einen Menschen, der einen gefährlichen Alien irgendwohin bringen muss. Das Raumschiff stürzt aufgrund eines Defekts auf einem Planeten ab, und da sind sie nun aufeinander angewiesen. Die Story war nicht sehr literarisch, hat mich aber trotzdem fasziniert. Ich habe mich gefragt, woran das liegt, habe tagelang gegrübelt, und plötzlich habe ich die Szene vor mir gesehen, wie Reinhold am Rand eines Gewässers zu sich kommt und diesem Xirtsch begegnet. So bin ich überhaupt erst zum Schreiben gekommen.

Am Erker: Wie genau bist du damals an Heyne gelangt? Wie sah die Lage für deutschsprachige SF-Autoren Mitte der 1980er aus?

Norbert Stöbe: Als ich Spielzeit fertig hatte, habe ich das Manuskript an drei, vier Verlage geschickt. Die Aussichten für deutsche Autoren waren damals bescheiden, aber auch nicht wirklich schlecht. Es gab mehrere SF-Reihen, bei Heyne, Moewig, Bastei-Lübbe und Suhrkamp. Die SF-Programme waren so wie heute dominiert von englischsprachigen Autoren, aber alle Verlage hatten auch ein paar deutsche Titel dabei, Heyne glaube ich drei pro Halbjahr. Nach zwei Monaten hat mir Jeschke, der Programmchef, einen Vertrag zugeschickt. Da habe ich Glück gehabt.

Am Erker: Einfach so einen Vertrag? Wolfgang Jeschke ist vor gerade einmal zwei Jahren gestorben und war jahrzehntelang DIE Instanz in der deutschen SF, ich hatte als Teenager das Gefühl, es gibt gar nichts anderes als Jeschkes schwarze Heyne-Reihe. Und Romane hat er auch noch geschrieben, ich habe sogar einen gelesen, wo nahm der Mann die Zeit her, unglaublich ... Welche Erfahrungen hast du mit ihm gemacht?

Norbert Stöbe: Ich hatte nur zwei ausführlichere Begegnungen mit ihm. Die erste war 1988, er hatte eine Lesung in Aachen. Kurz zuvor hatte ein Freund von mir mit dem Übersetzen angefangen. Ich dachte mir, das wäre vielleicht auch etwas für mich, denn ich suchte nach einer Perspektive jenseits der Chemiker-Laufbahn. Also bin ich hin. Obwohl er mein Manuskript Spielzeit angenommen hatte, waren wir uns noch nicht persönlich begegnet, und ich war sehr nervös, deshalb bekam ich von der Lesung kaum etwas mit. Als sich das ziemlich zahlreiche Publikum verzogen hatte, habe ich mich vorgestellt, und wir sind einen trinken gegangen. Jeschke machte den Eindruck eines Mannes, der für die Science-Fiction-Literatur brannte und sich seiner Bedeutung sehr bewusst war – er erzählte Anekdoten ohne Ende. Auch davon bekam ich nicht allzu viel mit, denn ich wartete auf die passende Gelegenheit, ihm mein Anliegen vorzutragen. Das nahm er lächelnd zur Kenntnis, und zwei Wochen später trudelte der erste Übersetzungsauftrag ein, eine Story. Ich glaube, es war Michael Iwoleit, der Herausgeber der SF-Zeitschrift NOVA, der mal geschrieben hat, beinahe jeder, der in Deutschland mit SF zu tun hat, habe Jeschke etwas zu verdanken. Das gilt auch für mich. Die zweite längere Begegnung war bei einem SF-Treffen irgendwo im Ruhrgebiet. Da erklärte er mir, dass ihm meine Fortsetzung von Namenlos (Im Leer, unveröffentlicht) zu handlungsarm sei. Das war nicht so gut.

Am Erker: Das glaube ich. Andererseits wollte er ja weitere Manuskripte von dir. In einem Interview aus derselben Zeit sagte er: "... auch Norbert Stöbe wird immer besser." War Heyne eigentlich bereit, das Buch explizit im Haupttitel als "Erster Teil" zu drucken ohne Kenntnis der Fortsetzung, oder musstest du Teile oder ein Exposé vorlegen? Ich meine, galt es 1989 als strategischer Vorteil, epische Serien anbieten zu können?

Norbert Stöbe: Dass das der erste Teil einer Trilogie sein sollte, war kein großes Thema. Ich habe eine vage Idee umrissen, Exposé habe ich keins vorgelegt, das hätte ich zu dem Zeitpunkt auch gar nicht gekonnt. Ich denke, Serien waren damals beliebt, und sie sind es wohl noch heute.

Am Erker: Namenlos ist in einer deutlich ferneren Zukunft angesiedelt, zugleich hat der Held, der mit seinem Raumschiff in einer quasi mittelalterlichen Stadt gestrandet ist, emotionale Kontakte zum irdischen 20. Jahrhundert. Oder sind das gar nicht seine eigenen Erinnerungen, habe ich das missverstanden?

Norbert Stöbe: Die Bewohner der Stadt sind politische Gefangene und verurteilte Kriminelle, deren Gedächtnis gelöscht wurde, so die Idee. Also, es sind seine Erinnerungen an sein früheres Leben.

Am Erker: Übrigens gibt es wieder mal Sex mit Telepathen, und außerdem begegnen Namenlos die Kroko-Aliens aus Spielzeit, die jetzt gleichberechtigt sind und kein Stück intelligenter als er. Offenbar hatten die Erksel abgebaut seitdem. Du merkst, ich liebe diese Viecher.

Norbert Stöbe: Ich finde sie inzwischen ein bisschen peinlich. Aber abgebaut, würde ich nicht sagen. Das Leben in dieser Stadt fordert halt seinen Tribut. Und vielleicht sind sie in Spielzeit gar nicht so superintelligent, sondern verfügen lediglich über eine fortschrittlichere Technologie.

Am Erker: 1991 erschien dein bisher längster und komplexester Roman: Der Weg nach unten. Die Haupthandlung spielt in einem mindestens 156 Stockwerke hohen Gebäude, einem Monsterblock. Es ist ein enorm bildstarkes Buch voller Tableaus – allein schon die türlosen Löcher vor den fünfhundert Meter hohen Fahrstuhlschächten oder das Übernachten neben der verwesten Frau ... Du beschreibst, wie nach einem Überfall (jedenfalls möglicherweise einem Überfall) in einem Theater ganz oben verschiedene Gruppen festsitzen und jetzt zurück zum Erdgeschoss wollen. Die Leute tappen durch das fast leere, dunkle, organisch gewachsene Hausungetüm, bilden eine Notgemeinschaft von Freaks. Auch im New-York-Roman hast du sichtlich gerne und etwas süffisant eine alternativ-kulturelle Gemeinschaft beschrieben. Die "Heavies" dagegen haben mich an Mad Max erinnert. Welches Verhältnis hast du zur Hippiezeit und zu Punk?

Norbert Stöbe: Die Hippies musste man einfach liebhaben – die Musik, den Look, die naive Begeisterung für die 'Weisheit des Ostens'. Sanftmut, Freiheit, Teilen, Ekstase, das alles war ja nicht nur Mode und Attitüde, sondern auch ein Stück weit gelebte Wirklichkeit. Da wollte man gerne mit Scott McKenzie bis nach San Francisco wandern. Als ich die Musik kennenlernte – Jefferson Airplane, Grateful Dead, die frühen psychedelischen Pink Floyd -, war ich elektrisiert. Und in der Szene konnte man sich wunderbar bewegen, ob Köln oder Berlin, Amsterdam oder Paris, überall war man willkommen und zu Hause. Das war eine tolle Erfahrung, eine Zeit, in der ich meine kreative Seite entdeckt habe. Es herrschte ja so ein fröhlicher Dilettantismus: Schnapp dir einen Pinsel, eine Gitarre, was weiß ich, und leg los. Ich habe allerdings nur die Endphase der Hippiezeit miterlebt, ich war eben etwas zu spät gekommen. Und dann platzte die bunte Seifenblase auch schon, der alternative Entwurf stellte sich im Nachhinein als weltfremde Träumerei heraus, und die so genannten bewusstseinserweiternden Drogen erwiesen sich als Wegbereiter des knallharten Geschäfts mit dem Rausch und der Sucht. Einiges davon ist in die Schilderung des Stamms der Stadtindianer eingegangen, der im Weg nach unten durch das Monstergebäude streift. Die Heavies, ihre Antagonisten, haben ihren Namen von der schlimmsten akustischen Folter, die mir damals bekannt war, dem Heavy Metal. Mit Punk konnte ich nichts anfangen. Allerdings mochte ich Patti Smith, aber war die überhaupt Punk?

Am Erker: Keine Ahnung. Nicht meine Zeit. Ich fand die Heavies punkig, aber jetzt muss ich eh spekulieren, weil ich bei diesem komplexen Buch vermutlich einiges nicht verstanden habe. Ist das ein langer psychedelischer Trip? Da dies der Cyber-Erker wird, frage ich direkt: Das Ganze ist doch wohl eine Art Vorläufer eines Online-Rollenspiels? Es geht los, sobald der Held namens Prinz ganz oben im Theater den "Magischen Wein" trinkt, um sich auf das Stück einzulassen. Die eine Gruppe schlägt sich dann vertikal durch die fremde Welt, die andere horizontal, im selben Gebäude. Am Ende stellen sich die Ereignisse nach dem Überfall als Drogenexperiment heraus, als herbeigeführte Testsituation. Und es findet eine emotionale Läuterung statt. Viele Jahre vor dem Film The Game, übrigens.

Norbert Stöbe: Zu der Zeit waren Fantasy-Rollenspiele beliebt. Wir trafen uns einmal wöchentlich, um das Das Schwarze Auge zu spielen. Bewaffnet mit einem dünnen Heft, in dem die Handlung des jeweiligen Abenteuers skizziert war, saß hinterdem schwarzen Pappaufsteller der Spielleiter und brachte uns ins knifflige Situationen. Ich staunte über die Gruppendynamik, die sich dabei entwickelte. Einmal stritten wir uns wegen eines Esels, der über ein Teleportationsportal in der Krone eines gewaltigen Baums gelandet war. Der Rückweg war uns versperrt, und es war ausgeschlossen, das arme Tier über die schwankenden Hängebrücken mitzuschleppen. Den Esel entweder zurücklassen oder ihn töten und als Wegzehrung verwenden, das waren die 'realistischen' Alternativen. Bei den beiden weiblichen Gruppenmitgliedern kamen die Vorschläge jedoch gar nicht gut an. Da ging es richtig hoch her. Als ich die Szene mit dem Schmierentheater im Hochhaus geschrieben hatte, dachte ich  erst, das Potenzial hätte sich mit der Satire auf Rollenspiele erschöpft. Dann kam ich auf die Idee mit dem 'Magischen Wein', und es kam eine weitere Realitätsebene hinzu. Die Handlung ist also eine Inszenierung, die durch die Droge Wirklichkeitscharakter bekommt. Insofern verweist die Geschichte auf die anstehenden VR-Spiele, die eine wesentlich stärkere Immersion ermöglichen werden als die herkömmlichen Displayspiele. Ob es die Indianer und die Heavies in dem Zusammenhang überhaupt gibt, ob sie 'real' sind und in die Inszenierung integriert werden, kann ich selbst nicht sagen. Beim Schreiben war für mich jedenfalls alles real.

Am Erker: Die täuschende und die kaputte Welt ist, würde ich sagen, eines der gestalterischen Grundthemen deiner Romane und Erzählungen. Ich nehme an, das saubere Star Trek war nie dein Ding. Abgesehen vom ersten Roman geht es fast immer um Verfall, so als wäre Soylent Green für dich der Standard. Aber die typische Apokalypse der Science-Fiction, die rauchende Welt nach dem Nuklearkrieg, hast du bisher ausgespart, vielleicht mit Ausnahme der Story Da im Glück. Wäre dir so eine Szenerie zu kaputt?

Norbert Stöbe: Stimmt, Star Trek war nicht mein Ding, und dieses merkwürdig möblierte supercleane Raumschiff fand ich einfach nur lächerlich. An Bord des Frachters Nostromo aus Alien würde ich mich wohler fühlen, jedenfalls solange keine blinden Passagiere mitfliegen. Zu einer wie auch immer gearteten Zukunft gehören Dreck in den Ecken und stinkendes Öl im Maschinenraum, und zu den Biographien der Protagonisten gehören Vergeblichkeit und Scheitern. Auch Verfall ist Leben. Zum Beispiel fotografiere ich gerne Lost Places – alte Bahnhöfe, Häuserruinen, verlassene Orte. Daran ist nichts hässlich. Richtet man den Blick darauf, tritt Schönheit hervor. Übrigens bin ich trotz meiner meist düsteren Szenarien überwiegend optimistisch gestimmt. Ich glaube, wir werden uns schon irgendwie durchwursteln. Eine Nuklearkatastrophe habe ich einfach nicht auf dem Schirm.

Am Erker: Hätte ich nicht gedacht. Die Terminator-Vision von Maschinen, die den Atomkrieg starten, gehört zu meinen absoluten Standards, eine Art Doppel-Standard, und beide Horrorszenarien teilst du rein gar nicht.

Norbert Stöbe: 'Nicht auf dem Schirm' ist vielleicht etwas zu salopp formuliert. Aber ich finde, das Thema ist filmisch und literarisch totgeritten. Und es stimmt auch, dass es mich nicht umtreibt, es ist für mich eher wie eine ferne Gewitterwolke am Horizont, von der ich annehme, dass sie vorbeizieht. Das ist vielleicht auch eine Frage der Sozialisation. Die etwas Jüngeren sind, glaube ich, mit der Angst vor der Nuklearkatastrophe aufgewachsen, bzw. waren sich dieser Möglichkeit viel stärker bewusst als meine Generation. Das ist eine andere Prägung. Den verbreiteten Zukunftspessimismus halte ich für problematisch, weil er den Blick auf die positiven Potenziale der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung verstellt. Die größte Sorge bereiten mir derzeit der grassierende Populismus und die gesellschaftlichen Polarisierungsprozesse.

Am Erker: Deine Figuren geraten oft in eine emotionale Herausforderung, sobald eine Pause im bösen Spiel eintritt. Jedesmal wird das eine menschliche Prüfung anderer Art, in die sie hineingleiten wie in das Spiel selbst, und immer treten sie etwas verwandelt aus diesen neuen oder neu aufgerollten Beziehungen heraus. Kommen diese Situationen beim Schreiben ungeplant zustande? Oder waren sie für dich sogar der eigentliche Kern? 1995 habe ich dich in Aachen kennen gelernt, da wurdest du mir als Science-Fiction-Autor vorgestellt – und hattest gerade zu dem Zeitpunkt deine vorerst letzte SF-Story veröffentlicht. Wie kam es zu der vierzehnjährigen Pause bis 2009? Du wolltest das Genre wechseln, sagtest du mal.

Norbert Stöbe: Schön, dass du darauf zu sprechen kommst. Geplant sind diese Situationen nicht, aber das heißt nicht, dass sie zufällig wären. Sie ereignen sich beim Schreiben, weil sie notwendig sind. Ich glaube, sie sind das Wichtigste überhaupt in meinen Geschichten, denn ohne die Möglichkeit von Bewährung und Verwandlung wäre das Ganze eine ziemlich makabre Veranstaltung. Die Handlung läuft immer wieder auf solche Wendepunkte zu.
Zu deiner zweiten Frage: Nach Der Weg nach unten habe ich Wichtige Leute geschrieben (unveröffentlicht). Der Roman hatte kaum SF-Elemente und fand bei Jeschke keinen Anklang. Auch sonst wollte ihn niemand haben, wobei die Begründung wiederum lautete, das Manuskript sei zu sehr Genre. Heyne geriet zudem allmählich in eine wirtschaftliche Krise, das SF-Programm wurde immer weiter ausgedünnt. Ich hätte mich gern von Genreschubladen unabhängig gemacht. Das ist mir nicht gelungen. Die nächsten beiden Romane erwiesen sich ebenfalls als unverkäuflich. Irgendwann stellte sich die Frage, ob ich die Schreiberei aufgeben soll. Stattdessen gab ich mir eine neue Parole aus: Back to the Roots. Wenn der freie Flug über die Genregrenzen nicht gelingt, muss ich halt ein SF-Autor sein. Seitdem läuft es ziemlich gut.

Am Erker: Deine frühen Romane bringt der Apex-Verlag jetzt neu heraus. Hast du sie jemals wieder gelesen, beziehungsweise, was war das für eine Neubegegnung?

Norbert Stöbe: Ich freue mich natürlich sehr, dass meine früheren Romane wieder zugänglich werden. Aber ich lese sie nicht wieder, schaue mir höchstens den Einstieg in die Geschichte noch mal an. Dabei stellt sich meistens der Eindruck ein, dass ich das so nicht mehr schreiben könnte. Ein seltsames Gefühl.

Am Erker: Könnte? Oder wollte? In den beiden Kolonie-Romanen ist die Schnitttechnik dynamischer, auch filmischer – vielleicht an den neuen TV-Serien geschult? –, und beide Bücher bringen mehr Sex, zugleich hast du das Drogen-Thema nach den Achtzigern und Neunzigern hier zurückgefahren.

Norbert Stöbe: Könnte, wollte – beides. Ich bin heute etwas weniger naiv und vielleicht auch ein bisschen mutiger als früher. Bei den letzten beiden Romanen, insbesondere aber bei Morgenröte,  bin ich mehrfach an einen Punkt gekommen, wo ich angefangen habe, mich zu langweilen. Früher hätte ich den Handlungsstrang geduldig weitererzählt, auserzählt. Stattdessen setze ich jetzt den Schnitt und beginne den nächsten Strang. Dass ich Dinge, die mich langweilen, nicht zu erzählen brauche, da musste ich erst mal drauf kommen. Dass die neuen Serien mich beeinflusst haben, kann ich zumindest nicht ausschließen. Ich bin jedenfalls ein großer Fan dieser Erzählform.

Am Erker: Das Thema Zeitreise hast du bisher nicht behandelt, dabei fände ich das bei dir sehr naheliegend – und du hast einen der Klassiker dazu übersetzt, Ken Grimwoods Replay. Ist es ein Problem, SF zu übersetzen und zu schreiben? Wie beeinflusst dich das?

Norbert Stöbe: Replay schätze ich sehr, und obwohl ich das Buch übersetzt habe, habe ich es anschließend noch zweimal gelesen, allerdings im Original. Die Vorstellung, sein Leben noch einmal beginnen zu können, hat wohl jeder schon mal gehabt.
Ich selbst habe nie daran gedacht, eine Zeitreisegeschichte zu erzählen. Seit New York ist himmlisch versuche ich, nur über Dinge mit Realitätspotenzial zu schreiben, das heißt, die Handlung hat einen Ort und eine Zeit. Was geschieht,  sollte im Einklang mit den Naturgesetzen stehen oder zumindest möglich erscheinen. Und so reizvoll das Zeitreisethema auch ist, an die physikalische Möglichkeit von Zeitreisen glaube ich nicht. Aber man soll nie nie sagen. Dass ich SF auch übersetze, hat, glaube ich, wenig Einfluss auf mein Schreiben. Ich versuche, die beiden Bereiche streng auseinanderzuhalten. Wenn ich meine Brötchen verdient habe, lege ich den Schalter um. Ich habe sogar zwei räumlich getrennte Arbeitsplätze, der eine mit PC, der andere mit Notebook. Allerdings hatte die Übersetzungsarbeit zur Folge, dass ich jahrelang kaum noch SF gelesen habe. Erst in letzter Zeit bin ich wieder auf den Geschmack gekommen, unter anderem durch VanderMeers fulminante Southern-Reach-Trilogie. Im Moment warte ich gespannt auf sein neues Buch Borne.

Am Erker: Redest du über ungelegte Eier? Was steht als Nächstes an?

Norbert Stöbe: Ich habe was angefangen, es geht um einen tibetischen Mönch, einen weiblichen Klon und einen Roboter. Aber ich weiß noch nicht, ob es gelingt.

 

Bibliografie:
Über dreißig Erzählungen seit 1983 in Literaturzeitschriften und Anthologien.
Spielzeit. Roman. 398 Seiten. München: Heyne 1986.
New York ist himmlisch. Roman. 237 Seiten. München: Fabylon 1988. Neuausgabe:  München: Apex 2017.
Namenlos. Roman. 299 Seiten. München: Heyne 1989.
Der Weg nach unten. Roman. 459 Seiten. München: Heyne 1991. Neuausgabe:  München: Apex 2017.
Postmoderne Desensibilisierung. Kurzprosa, WDR Radio, Köln 1996.
Ein alter Mann. Kurzprosa, WDR Radio, Köln 1998.
Da im Glück. Erzählung. KDP-E-Book (Amazon) 2011.
Eva das Meer. Erotische Geschichten. KDP-E-Book (Amazon) 2011.
Wie Götter. Erzählung. KDP-E-Book (Amazon) und Google+-E-Book, 2012.
Die Farbe Blau. Erzählung. KDP-E-Book (Amazon) und Google+-E-Book, 2013.
Nugget. Erzählung. KDP-E-Book (Amazon) 2013.
Wer hat Angst vor dem Winter? Roman. KDP-E-Book (Amazon) 2013.
Die Nacht der Frösche. Erzählungen. KDP-E-Book (Amazon) 2012.
Der Durst der Stadt. Erzählungen. 293 Seiten. Murnau: sternwerk & p.machinery 2014.
Morgenröte. Roman. 253 Seiten. München: Heyne 2014.
Kolonie. Roman. 363 Seiten. München: Heyne 2017.