Texte
Am Erker 42, Münster, Dezember 2001
 

Frederike Frei
Wo wohnen die Wörter

Wo wohnen die Wörter im
Schlaf in der Stille des
Sturms im ruhig Blut im
unwirschen Un in der
Einsilbe Nein im Nachhall
des Ja immer im Nimmer im
Zimmergrau im Immerblau
im im im Hollerbeersekt
warum nicht es ist ein
ganz altes Rezept.

Eins im Sinn alle anderen
immer auf Achse diese
Tippelbrüder im Wohnwagen
wagen sie zu wohnen am
Ende der Welt am Anfang
der Sätze sie drängeln
sich im Off um gleich
an die Reihe zu kommen
um einzuziehn schön in
Geschichten und Gedichte

am liebsten in Märchen.
Sie sammeln sich schon
als Läuse im Pelz von
Allerleirauh sitzen auf
toten Frauenlippen im
Keller des Blaubarts
hinter der dreizehnten
Tür im tiefen Teich beim
Eisenhans in der
Löwenhöhle des Schweigens.

 
 
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